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WEINGÜTER

Achim Winter besucht die beeindruckendsten Weingüter Deutschlands

WEINGUT HUSTER

Das Weingut Huster ist ein Gesamtkunstwerk! Schon allein der unvergessliche Name wäre ja schon Marke genug, aber auch ganz viel anderes sorgt für die Unverwechselbarkeit dieses Familienunternehmens: Die konsequente ökologische Produktion, der selbstbewußte Verzicht auf übliche Prädikatsbezeichnungen, die feine Küche in der beliebten Straußwirtschaft und nicht zuletzt die Herzlichkeit, mit der die Gäste in der Rosenstraße in Großwinternheim begrüßt werden.  

 

Dementsprechend läuft die Vermarktung der Wein in erster Linie ‚direkt‘: Die Kunden besorgen sich ihr Kontingent Husterwein gleich beim Besuch der Wochenendwirtschaft. Die Qualität der Weine sorgt dafür, dass man an einem schönen Wochenende in Rheinhessen den Besuch bei den Husters gegenüber anderen Freizeitbeschäftigungen vorzieht. Oder kombiniert! Eine ausgedehnte Wanderung in den Weinbergen sorgt nämlich für den angemessenen Appetit auf Jutta Husters regionale Spezialitäten, die sich im Frühjahr natürlich um den Spargel ranken. 

 

Aber auch ohne Essen bleiben die Husterschen Weine in Erinnerung. In erster Linie, weil man als Weintrinker ja gerne gewisse Vorbehalte gegenüber konsequent ökologischem Anbau hegt.  Die Befürchtung: ‚Ist zwar sinnvoll, schmeckt aber nicht‘ wird aber bei Husters ganz schnell zerstreut. 

 

Vater Raimund erfuhr hier nämlich die Gnade der frühen Geburt. Er hat einfach als erster mit Öko angefangen und genug Zeit gehabt alles auszuprobieren. Hinzu kommt die wissenschaftliche Expertise seines Sohnes Tobias, die dieser auf der Hochschule Geisenheim, in Südafrika und Österreich erworben hat.  

 

Der Verzicht auf allzu hohe Erträge und die selektionierte Handlese sind das offene Geheimnis der außergewöhnlichen Husterweine.  Die Rotweine durchlaufen die traditionelle Maischegärung mit anschließender Holzfasslagerung. Die Weißweine genießen eine lange Feinhefelagerung (“sur lie“), bis sie kurz vor der Füllung einmal filtriert werden. 

 

Ein weiterer großer Standortvorteil ist das harmonische Familienleben am Hustergut.  Die Elterngeneration Raimund und Jutta arbeiten genauso begeistert mit am ‚Gesamtkunstwerk‘ wie Tobias charmante Partnerin Nina. 

 

Bei den Weißweinen dominieren die angestammten Rebsorten Riesling, Silvaner, Grauer und Weißer Burgunder. Hinzukommen aber Neuzüchtungen wie der Souvignier Gris, der sich durch besondere Pilzresistenz auszeichnet und dabei helfen soll, die höhere Arbeitsintensität des ökologischen Weinbaus auch ohne Hilfsmittel zu begrenzen. Dabei entstehen junge und spritzige Weine, die aber ihr Terroir deutlich verraten. Das in der Regel trocken Sortiment erlaubt auch ein paar Ausreißer ins Halbtrockene. Die Rotwein sind je nach Sorte leicht und fruchtig – wie der Portugieser - oder kräftig und tanninbetont – wie etwa der Spätburgunder. Besonders gefällt auch der seltener anzutreffende Frühburgunder, der zur Zeit eine Renaisssance erlebt.  

WEINGUT HUFF

 Im Weingut ‚Fritz Ekkehard Huff‘ in Nierstein-Schwabsburg ist die Welt noch in Ordnung. Hier leben und arbeiten unter einem Dach die Huff-Eltern, deren Kinder und Enkel und hauchen so gemeinsam den Weinen, die hier entstehen, den rechten ‚Spirit‘ ein. Der Gebrauch des englischen Wortes ist hier ausnahmsweise angebracht,  da die Familie den neuseeländischen Winzer Jeremy Bird durch Heirat integriert hat: Vor Jahren als Praktikant ins Weingut gekommen, gelang es ihm - und wie sollte es auch anders sein -  die Nachfolgerin des Besitzers Ekkehard für sich zu gewinnen. Aus diesem Grund stehen heute auch neben den Klassikern der Niersteiner und Schwabsburger Lagen die ‚Birds‘ Jeremys im Verkaufsregal: Junge experimentelle Weine, die Ihre Existenz seinem Spieltrieb verdanken.

 

Die anderen Weine, in erster Linie Riesling, aber auch Sauvignon blanc, Scheurebe, Silvaner, und diverse Burgunder, verraten die liebevolle Handschrift Christine Huffs, die hier die idealen Bedingungen Ihrer Lagen am berühmten Niersteiner Roten Hang in Erstklassiges umwandelt. Das warme Mikroklima sorgt hier schon seit Jahrhunderten für besondere Qualitäten. Die Sorgfalt Christines in Verbindung mit ihrer fundierten Ausbildung, auch im Burgund und an der Weinhochschule Geisenheim, erzeugen komplexe Weine, die regelmäßig die Erwartungen an eine bestimmte Rebsorte übertreffen.

 

Christine Huff arbeitet möglichst naturnah, mit wenig Dünger oder anderen künstlichen Hilfsmitteln. Ihre Philosophie: Sie möchte die Reben dazu bringen, sich anzustrengen und auf der Suche nach Wasser den Böden möglichst viel Mineralik abzuringen. Unser Besuch mit Weinprobe zeigt, dass ihr das unbedingt gelingt. 

Ihre Lagen erstrecken sich bis an den Rhein in Nierstein, aber auch den Heimatlagen in Schwabsburg rund um den Rabenturm gehört ihr Herz.

 

Die Weine fallen deshalb auch auf. Die bekannten Weinführer empfehlen sie allesamt. 

 

Unser Probenpaket bietet einen Querschnitt durch Christines, Jeremys und Ekkehards Schaffen. Wie immer empfehle ich, dieses Paket hier zu erwerben, um die Weinprobe selbst zu Hause nachvollziehen zu können. Ich kann Ihnen versichern: Sie werden es nicht bereuen. Auch ein persönlicher Besuch hier in Nierstein-Schwabsburg ist sehr zu empfehlen.

WEINGUT EVA VOLLMER

Dr. Eva Vollmer führt ihr Weingut gemein­sam mit ihrem Lebenspartner Robert Wagner in Mainz Ebersheim in Rheinhessen. In ihrem Haus leben und arbeiten außer ihr noch ihre Eltern, ihre Großeltern und zwei Kinder in einem Viergenerationenhaushalt. Unter eigenen Namen firmiert sie seit 2007. Mittlerweile ist sie weit über die Region hinaus bekannt, weil sie auf perfekte Weise önologische Kompetenz mit einem außergewöhnlichen Charisma verbindet. Ihr gelingt es, ihre Weine durch persönliche Vermittlung als Marke im Gedächtnis ihrer Kunden zu verankern. Voraussetzung hierfür ist die außergewöhnliche Qualität, die Eva Vollmer auf ihren reichen Böden der Lagen Herrnberg, Hüttberg und Pettenthal erzielt. Auf Tonmergel und einer großen Kalkader gedeihen Riesling, Silvaner, Weißburgunder und Scheurebe. Besonders hervorzuheben ist der ers­te rote Riesling der Region Rheinhes­sen. Als Rotweine sind Dornfelder und Spätburgun­der ebenso im Angebot wie der Dornfelder Rosé Dorn to be wild. Diese kreative Namensgebung ist eine der Markenzeichen Eva Vollmers. Man erinnert sich gerne an die geradezu literarischen Beschreibungen ihrer Weine. Ihre Metaphern reichen von Geschmacks-Kung-fu für einen säurebetonten Riesling bis zu Geschichten von Tarzan und Jane, um ihre Kunden schon auf dem Etikett darauf vorzubereiten, welche Dramen sich nach dem ersten Schluck in ihrem Mund abspielen werden. Der Weinführer Gault&Millau schreibt denn auch über sie: „Die Frau muss man in Echt und im Glas erlebt haben! Trotz des anspruchsvollen Jahrgangs (2091) gelang es Dr. Eva Vollmer in diesem Jahr, einen enormen Sprung nach vorn zu machen. Der Gau­-Bischofsheimer Spätburgunder ist eine wahre Freude, die Lagen­ Rieslinge, allen voran der Pettenthal, sind absolute Punktlandungen.“ Wir empfehlen, diese Einschätzung selbst zu überprüfen. Erleben sie die lebhafte Eva hier in unserem Video. 

WEINGUT EDELHOF

Eine besondere Lage

Das Maindreieck gehört in puncto Weinqualität zu den bedeutendsten Anbaugebieten. Denn Weinfranken hat in Mitteleuropa die heißesten und regenärmsten Sommer. In diesem, den Weinbau begünstigenden Klima, reifen die Trauben besonders gut und intensiv.

Der historische Edelhof gilt als eines der ältesten Weingüter Randersackers. Seine Tradition reicht zurück bis auf die Ritter von Randersacker; Peter, der letzte seines Geschlechts, verstarb 1541. Der berühmteste Eigentümer, den das Weingut in seiner Geschichte aufweisen kann, ist der geniale Barockbaumeister Balthasar Neumann, bekannt als Erbauer der Würzburger Residenz. 1982 erwarb die Familie König den Edelhof. Mit viel Auf wand und Liebe zum Detail setzten sie das denkmalgeschützte Anwesen instand und machten den Edelhof zu einem besonders gelungenen Aushängeschild des Marktes Randersacker.

Tradition und Moderne

Mit der Familie König fand der Edelhof nicht nur geschmacksichere Restauratoren sondern auch Winzer mit mehr als hundertjähriger Tradition.

Das Weingut wurde im Frühjahr 1995 eröffnet. Heute bewirtschaften German und Andrea König sieben Hektar Weinberge, was einer Größe von 14 Fußballfeldern entspricht. Angebaut werden Silvaner, Riesling, Blauer Silvaner, Traminer, Müller-Thurgau, Scheurebe, Bacchus, und Weißer Burgunder, sowie die Rotweinsorten Spätburgunder, Domina und Dornfelder. Die Pflege der Rebflächen und der Ausbau des Weines erfolgt möglichst naturnah, um dem Wein optimalen Spielraum zur Entfaltung seines individuellen Charakters zu geben.

Die Familie König verwendet für den Ausbau traditionelle Holzfässer, in denen die Rotweine oder große Spätlesen reifen. Edelstahltanks und eine moderne Gährführung garantieren eine zeitgemäße Weinstilistik.

 

Zurück zu den Wurzeln

Maria Anna, die Urgroßmuter von Andrea König, stammte aus dem Edelhof. Sie verliebte sich in den Winzer Ludwig Schmitt vom benachbarten Zehnthof. Ihr Vater, Nikolaus Wegmann, wollte die Verbindung unter allen Umständen verhindern. Doch volljährig geworden flüchtete Anna Maria an ihrem 21. Geburtstag bei Nacht und Nebel, um wenige Wochen später den geliebten Ludwig zu ehelichen. Weil ihr Bruder Wilhelm drohte, dem Hochzeitszug aufzulauern und alle „über den Haufen zu schießen“, durften mit amtlicher Genehmigung beide Trauzeugen bewaffnet Geleitschutz geben. Die Trauung fand im Jahre 1900 friedlich und ohne Schusswechsel statt.

Mit der Einheirat der Urenkelin Andrea im Edelhof hat sich nach 100 Jahren der Kreis wieder geschlossen.